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ESG zwingt die Branche zur Digitalisierung

Bluecon Team

Was das in der Praxis bedeutet, weiß Jonathan Schott, Gründer und Geschäftsführer des Frankfurter Beratungsunternehmens und technischen Gebäudeplaners Bluecon Engineering: „Dem Nutzer selbst ist sehr häufig die verwendete Gebäudetechnik ein Dorn im Auge, da er sie mangels Schulung nicht vollständig versteht und daher nicht nach seinen Wünschen einsetzen kann. Das kann beispielsweise daran liegen, dass alles an einem zentralen Ort für die gesamte Mietfläche geregelt wird und der Nutzer an seinem eigenen Schreibtisch weniger Behaglichkeit erfährt, da er keinen eigenen Einfluss auf die Regelungstechnik nehmen kann, etwa für Wärme, Kälte, Be- und Entlüftung.”

Generell gebe es aber bei nahezu sämtlichen Nutzern entlang aller Assetklassen eine gestiegene Nachfrage nach ESG-konformen Immobilien. Schotts Tipp lautet: Der Nutzer erfreue sich besonders an Technik, die ihre Arbeit im Verborgenen leistet. „So ist es beispielsweise hilfreich für alle Beteiligten, wenn smarte Gebäudetechnik Energieverbraucher in nicht genutzten Bereichen selbsttätig identifiziert und deren Verbrauch durch Regulieren oder Abschalten reduziert.”

Ein weiteres Beispiel einer beliebten Optimierung sei, wenn das Gebäude durch eine smarte Gebäudeleittechnik, die mit dem Wetterdienst verbunden ist, die Innentemperatur über Verschattung und Kühlung im Sommer frühzeitig senkt und somit akut auftretende Hitzewellen bereits in der Nacht abgefedert werden könnten. „Die Anlagentechnik wird sodann schon außerhalb der regulären Nutzungszeit eingeschaltet, um Spitzenlastbetrieb zu vermeiden und den Gebäudekern zu kühlen, das schont Mensch, Technik und Umwelt gleichermaßen.”

Von solchen Wünschen berichtet auch Marc Gille-Sepehri, Gründer und CEO von Thing Technologies, dem Hersteller der Gebäudesoftware Thing-it: „Smart Office ist ein Tsunami. Das werden alle machen. Wir bekommen jede Woche mehr Anfragen und die Lösungen haben immer eine ganz starke Smart-Building-Komponente jenseits der reinen Arbeitsplatzbuchung.” ESG spiele dabei eine große Rolle, sowohl in Bezug auf Energie und Nachhaltigkeit wie auch in Bezug auf das S in ESG, englisch für Social. Dazu zählt nämlich, dass sich der Nutzer einer Immobilie darin wohlfühlt. „Kein Millennial macht’s ohne”, sagt Gille.

Entwickler und Asset-Manager schauen laut Gille bei Neubau und Nachrüstung sowohl aufgrund von Mieterwünschen wie auch aus Eigeninteresse auf ESG-Technologie im Gebäude. Letzteres sei aus regulatorischer und Investorensicht unabdingbar, um sich keine Stranded Assets ins Portfolio zu holen. Deutlich verhaltener sei die Nachfrage im Wohnsegment. „Wohnungsmieter interessiert Smart Building nicht besonders, ESG-bewusste Mieter leben dann doch schnell mal mindestens in der Doppelhaushälfte”, sagt Gille. Ausnahmen seien allenfalls hochwertige Stadtimmobilien.

Es ist somit ebenfalls offenkundig ESG-getrieben, dass sich derzeit 22% der von Pom+ für den Digitalindex befragten Unternehmen mit den Sensoren und Aktoren befassen, die ein Gebäude überhaupt erst smart machen. „Umweltrelevante Gebäudedaten haben auf dem Weg zur Netto-Null eine große Hebelwirkung”, urteilt Ruppel. Auch dahinter steckt letztlich Regulierung, insbesondere die zunehmenden Vorgaben des Gesetzgebers zur Energieeinsparung. Allem voran steht dabei das Klimaschutzgesetz, das für Immobilien konkrete Einsparungen von Treibhausgasen festgelegt. Ohne Daten aus dem Gebäude lässt sich schwer nachweisen, dass Werte über Jahre hinweg verbessert wurden. Zudem wird mit der automatisierten Überwachung von Gebäudedaten die Grundlage für ein zielgerichtetes Energiemanagement gelegt. Somit könnte der Druck von Seiten des ESG-Themas nicht nur endlich die Digitalisierung der Immobilienbranche entscheidend voranbringen, sondern auch dem Smart Building zu mehr Nachfrage verhelfen.

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